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Tag: Architektur

Erzählung in Kirschrot

Ein Bekenntnis zur Farbe und Fassade: Mit der kürzlich fertiggestellten Wache Wilrijk der Feuerwehr Antwerpen gelingt dem Rotterdamer Studio Happel Cornelisse Verhoeven Architecten eine reizvolle Variante von „architecture parlante“.

Foto: Karin Borghouts

Sobald ein paar Wolken vorbeiziehen, verändert sich die Fassaden der neuen Feuerwache in Antwerpen-Wilrijk. Diesen Effekt erzielen die Architekten durch die kirschrot glasierten Ziegel. Je nach Wetterlage spiegeln sie das Tageslicht wider – mal strahlen Steine in der Sonne, mal funkeln sie düster. Weil die Gegend rund um die Verkehrsachse Gaston Fabrélaan nicht besonders ansehnlich ist, wollte das Architektentrio einen starken Akzent setzen. In der typisch belgischen Hauptstraße reihen sich Ziegelbauten aneinander – der neue Nachbar integriert sich selbstbewusst in das Umfeld. „Eine Feuerwache ist ein sehr funktionales Gebäude, aber dabei darf man nicht die emotionalen und gesellschaftlichen Aspekte vergessen“, meint der Projektarchitekt Floris Cornelisse. Sonst entwerfen HCVA gerne stille, bescheidene und zurückhaltende Bauten. Hier ist es anders.

Im Portfolio von HCVA findet sich bisher noch keine Feuerwache. Die drei Partner Ninke Happel, Floris Cornelisse und Paul Verhoeven wollen sich bewusst nicht auf eine Bauaufgabe fokussieren. So kommt es, dass 2020 neben dem Brandweerpost auch ein Museum und eine Brücke der Architekten eingeweiht werden. Verbindendes Element bei diesen sehr unterschiedlichen Typologien sind weder Material noch Funktion, sondern die architektonische Grundauffassung: Ein Gebäude verstehen die jungen Niederländer als Erzählung. „Architecture parlante“ nannte das Claude-Nicolas Ledoux (1736–1806): eine sprechende Architektur, bei der Form und Erscheinung die Funktion offensichtlich lesbar machen, mögen auch die drei jungen Architekten. Als Post-Superdutch-Generation entwerfen sie mit einem anderen Sound als Büros wie OMA, MVRDV oder Mecanoo. „Wir materialisieren nicht das Konzept – wir konzeptualisieren das Material“, zitiert Cornelisse den Architekten Jan Peter Wingender. MEHR…

Mandeville Canyon


Hier folgt die Architektur der Umgebung: Ron Radziner hat in einem Waldhang zwischen Mandeville Canyon und Santa Monica Mountains ein archaisches Haus für seine Familie gebaut, das in einem definierten Gleichgewicht mit der Natur steht. Nebenbei erinnert es an einen bewohnbaren Tempel – und ist ein Ort der Ruhe…

erschienen in HÄUSER Magazin Januar 2020

Silicon Hill in Kopenhagen

erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von Stephan Burkoff & Jeanette Kunsmann


Wie ein gigantisches Tier mit dampfendem Rüssel erhebt sich dieser ungewöhnliche Bau nördlich der Kopenhagener Innenstadt. In seinem Bauch befindet sich die städtische Müllverbrennungsanlage mit integriertem Wärmekraftwerk. Und auf seinem Rücken? Drei Ski-Pisten für Anfänger und Fortgeschrittene, insgesamt 450 Meter lang. Architekt des Tieres, ist der Däne Bjarke Ingels, er ist für Überraschungen und Größenwahn bekannt. Dieses Mal kombiniert er spielerisch Nutzungen miteinander, die sich bisher ausgeschlossen haben: Müllentsorgung und Erholung. Spaß und Nachhaltigkeit…

Optimimus ist das Fundament des Hauses: Balkrishna Doshi

Über die Ausstellung im Vitra Design Museum, erschienen im FAZ Feuilleton am 4. Juni 2019

Stille Architektur

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Lautete vor Jahrzehnten die Frage noch „Warum haben Sie das so gemacht, Herr Architekt?“, ist Architektur schon länger keine Rechtfertigungskunst mehr. Die Frage nach dem Warum wird zunehmend mit der saloppen Gegenfrage „Warum nicht?“ beantwortet. Heute wird alles, was möglich ist, auch gebaut. Ob das gut, richtig und überhaupt noch authentisch ist? Hermann Czech hat mit seinem Eröffnungsvortrag auf dem diesjährigen Wiener Architekturfestival „Turn On“ darüber nachgedacht. Uns sind dann auf zwei langen Vortragstagen ein paar Beispiele dazu aufgefallen: ein in den Hang gebautes Sportzentrum von Dietrich Untertrifaller in Zürich, ein Bankgebäude in Dornbirn von den Architekten Bechter Zaffignani und die Festung Franzensfeste in Südtirol, die Markus Scherer als Museum zugänglich gemacht hat.

„Zur Zeit meiner Ausbildung war Architektur eine Rechtfertigungskunst. Warum haben Sie das so gemacht, Herr Architekt; was haben Sie sich dabei gedacht?“ Hermann Czech macht eine bedächtige Pause, bevor er weiterspricht. „Damit war nicht so sehr die Begründung durch Zwecke gemeint. Ich habe überhaupt unter Entwurf eine Reihe von aufeinander aufbauenden Entschei-dungen verstanden, die zu einem schlüssigen Entwurfsergebnis führen mussten – ein Aspekt dieses Ergebnisses war die Form, die also nicht vorher bekannt sein konnte. Heute aber lautet die Antwort auf das „Warum?“ zunehmend: „Warum nicht?“ Größeren Respekt genießt die architektonische Leistung deswegen freilich nicht. Im Gegenteil: Architektur wird als Dienstleistung angesehen, ein Wort, das selbst die Theorie des Funktionalismus erstaunlicherweise nie verwendet hat.“  Mit diesen starken Worten beginnt Hermann Czech nicht nur seinen Vortrag, sondern auch das zweitägige Wiener Architekturfestival. Seit den Siebzigern gilt er als Protagonist einer neuen „stillen“ Architektur, die „nur spricht, wenn sie gefragt wird“. Er fordert eine Architektur, „die repräsentiert, aber nicht betrügt, die bewegt, aber nicht süchtig macht“ und macht auf die Gefahren des Stararchitektenkults aufmerksam: einer Architektur, die nur noch auf wenige Bilder reduziert wird, und deren Idee nicht mehr lesbar ist. Zurückhaltung ist für Czech ein Schlüsselbegriff: Er spricht von einer behutsamen Architektur mit leisen, fast unsichtbaren Gesten, die in erster Linie Nutzer und Umgebung bedienen – nicht das Ego des Architekten. Warum? – Warum nicht? Viele Architekten ent-ziehen sich heute eine Begründung: Es wird etwas gebaut, weil es gebaut werden kann, und nicht, weil es unbedingt einen tieferen Sinn ergibt. Fast am Ende des Symposiums wird Wolf D. Prix über Projekte in China sprechen, wo er mit seinem Büro Coop Himmelb(l)au gerade hauptsächlich tätig ist. Es sind Bauprojekte von enormer Größe, die mit europäischen Maßstäben nicht mehr zu beurteilen sind. (…)

Artikel erschienen in der Baunetzwoche#311

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What is architecture anyway?

Künstler sind es gewohnt, die eigene Disziplin zu hinterfragen, aber Architekten? Die große Definitionsfrage „Was ist Architektur?“ hört man in diesen Reihen selten. Auf der Architekturbiennale taucht sie – zwischen den Modellen im Arsenale und den Installationen in den Giardini – plötzlich erstaunlich oft auf. „What is architecture anyway?“ Dieses kleine Gedicht von Frank Lloyd Wright versteckt sich in der Ecke eines Ausstellungsraumes im Biennale-Pavillon. Die Frage ist heute so aktuell wie schon lange nicht mehr.

Buildings, Buildings, Buildings

Man kann David Chipperfield vorwerfen, dass seine Hauptausstellung mit dem so großartigen Thema „Common Ground“ auf dem Papier mehr versprochen hat, als sie tatsächlich ist, trotzdem lässt sich auf dieser Biennale allerhand entdecken und lernen. Wenn man durch die Hallen des Arsenale schlendert und die fliegenden Welten von Zaha Hadid bestaunt – glänzende Objekte mit perfekt gearbeiteten Oberflächen –, die streng gegliederten Fassaden der Modellstädte von Hans Kollhoff studiert oder in den 1:20-Raumstudien der Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron versinkt, merkt man schnell, dass etwas nicht stimmt. Was sich auf der eine Seite wie eine Reise in vergangene Zeiten anfühlt und auf der anderen Seite doch Zukunft proklamieren will, ist am Ende ein verzerrtes Bild der heutigen Situation. Blickt man auf die kunstvollen Modelle der großen
Architekturgesten der letzten Jahre und hinter die gestapelten Selbstinszenierungen gebauter Eitelkeit, stellt man fest: Die Zeit der großen Stararchitekten ist vorbei – ein provozierender Moment. (…)

erschienen am 7. September 2012 auf www.baunetz.de/baunetzwoche

Baumhäuser

Es sind kleine Hütten, die sich in den Baumkronen verstecken, kapselartige Zellen oder gezimmerte Nester. Wurden Baumhäuser lange als Spielräume für Kinder angesehen, haben sich in den letzten Jahren eine Reihe von Architekten von dieser ungewöhnlichen Bauaufgabe zwischen Ästen und Blättern faszinieren lassen. Wir haben uns einige dieser neuen Wipfelbauten angesehen und ungewöhnliche Baumparasiten in Deutschland, Japan, Neuseeland, Schweden, und Frankreich entdeckt: Die BAUNETZWOCHE zeigt schwebende Lese- und Gästezimmer im Garten, verborgene Minihotels im Wald, Baumhütten mit Meerblick, ein Restaurant im Blätterwald und einem Baumkindergarten mitten in Tokio.

Mehr in der Baunetzwoche#254 „Baumhäuser“

acting in public – raumlabor berlin

„Acting in Public“: Was wie ein Schlachtruf klingt, ist eben auch als ein solcher zu verstehen. Doch kämpft das Team von raumlabor nicht nur um Brachen, leer stehende Plattenbauten oder Paläste aus vergangenen Zeiten, seine Arbeiten sind auch in Theatern, Museen oder Kunstausstellungen zu sehen.

Am kommenden Dienstag beginnt in Berlin im Haus der Kulturen der Welt die transmediale.10 – ein Festival für Kunst und digitale Kultur. Raumlabor organisiert nicht nur den Schwerpunkt der Ausstellung, es hat auch das Foyer der „Schwangeren Auster“ mit einer ungewöhnlichen Raum-Forschungsstation besetzt. Wir haben uns dort im Vorfeld etwas genauer umgesehen und gemerkt, dass raumlabor eine ganz schön bunte Mischung ist. (jk)

 

 

 

 

 

 

 

 

(erschienen in der Baunetzwoche#159)

siehe auch:
www.raumlabor.net
www.dailytonic.com

Happy 2010

Vorschau 2010 im BauNetz