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Kategorie: Anderes

Chinesischer Käfig

Gestern Abend also endlich die Nachricht,  Ai Weiwei sei frei. Was zunächst noch als wage Vermutung im Netz kursierte, bestätigte sich mit dem ersten Interview und einem DPA-Foto. Ein kurzes Aufatmen, Freude, Erleichterung. Doch wie wird sich der Fall Ai Weiwei weiterentwickeln? Der chinesische Künstler ist schließlich längst mehr als einer der Regimekritiker der Volksrepublik  – nach achtzig Tagen Haft symbolisiert er alles, was gegen die Politik Chinas spricht, in einer Person, ja, er wird sogar auf Jutetaschen ikonisiert. Das Schicksal des Nobelpreisträgers Liu Xiaobo scheint dagegen längst vergessen.

Ai Weiwei wurde nun gegen Kaution frei gelassen. Er steht unter Hausarrest und darf nicht reden. Alle Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Korruption habe er bestätigt und gestanden, deshalb durfte Ai nach Hause. Es ist eine äußerst prekäre Situation. Ai Weiwei  ist schon länger in einem chinesischen Käfig gefangen, aus dem es nur schwer einen Ausweg geben wird. Selbst wenn er eines Tages das Land verlassen darf, China wird niemals die Ausreise der gesamten Familie gestatten. Es ist ein tragisches Schicksal, dass wir nur von außen beobachten dürfen. Der Westen darf sich durch die plötzliche Freilassung nicht täuschen lassen – es ist erst der Anfang eines langen Kampfes gegen die Staatsapparatur der Volksrepublik. (Jeanette Kunsmann)

Unglaubliches zum Wochenanfang

Schiffe dürfen den Rhein nicht mehr flussabwärts fahren.

Sexy-Cora – Erotikdarstellerin (23) stirbt nach sechster Brustvergrößerung.

Kristina Schröder will keine Elternzeit nehmen.

Ursula Sarrazin will kein Buch schreiben.

ABER: Jörg Kachelmann sagt wieder das Wetter voraus: In feinstem Schweizerdeutsch auf Radio Basel.

Ken Adam heißt eigentlich Klaus Hugo Adam und James Bond ist Ornithologe…

Waiting for White Horse

Berliner Alpenwiese

La semaine dernière

Der Dezember präsentiert sich bisher wie aus dem Bilderbuch. / Johannes Heesters (106) hat mit dem Rauchen aufgehört!  / Jörg Kachelmann wechselt seinen Anwalt. / Schlichtung und Wahrheit: Heiner Geißler will Stuttgart 21, aber anders. / Die Weihnachtsmärkte trotzen den Terrorwarnungen. / „We love you!“ – Woody Allen feiert seinen  75. Geburtstag. / Madonna eröffnet in Mexiko City ein Fitness-Studio. / Gérard Depardieu stellt in Kreuzberg seine Weine vor. / Das Warten hat für Katie Watie bald ein Ende: Stichtag ist der 29. April 2011. / Der Papst lockert das Kondomverbot. / China und Russland beschließen grenzüberschreitende Schutzzonen für Tiger. / In Korea wird wieder geschossen. / Das deutsche Branntweinmonopol steht kurz vor dem aus. / Jeder dritte Frankfurter besitzt keinen deutschen Pass. / Winterreifen werden Pflicht. / Wo ist Wikileaks? / Salbeitee schmeckt nicht – leider auch nicht mit Alkohol. / Irgendwo in Kalifornien landet das Space Plane. / Brasilien, Russland und Katar – hmmm? / Chuck Norris ist zum Ehrenmitglied der Texas Rangers ernannt worden. / Pompeji bröckelt im Dauerregen. / Berlin verschwindet im Schnee. / Morgen ist schon der zweite Advent!

Federvieh

„Federvieh” oder auch „Einen schrägen Vogel gibt es immer” ist eine Reihe gezeichneter Federkleider. (Schwarze Tinte auf weißem Büttenpapier/ Jeanette Colette/ November 2010)

www.flickr.com/photos/jeanette_k

Kreative Nervosität

(Zeichungen und Collage: Jeanette Colette, November 2010)

 

 

Kunst im Tunnel

Mal wieder Düsseldorf. Aber es ist Quadrinnale – die Stadt am Rhein ganz im Zeichen der Kunst. Neben den großen Sammlungen und Retrospektiven sind auch besondere kleine Kunstausstellungen zu finden. Tief unter der Erde hat sich die aktuelle Ausstellung von Björn Dahlem versteckt. In der Galerie Kunst im Tunnel zeigt der Berliner seine „Theorien des Himmels“.

(Fotos: Jeanette Kunsmann, November 2010)

Puzzle in der Landschaft

An temporären Werken wird immer besonders deutlich, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade standen sie noch, da sind schon abgebaut – als wäre nie etwas gewesen und zurück bleibt nichts als eine gähnende Leere. Auch das temporary museum (lake) von dem Amsterdamer Studio Anne Holtrop ist längst passé. Nur sechs Wochen stand dieses Kleinod mitten in einem Naturschutzgebiet in der Dünenlandschaft von Heemskerk bei Amsterdam.

Der Pavillon, dessen fließende Form im Grundriss an einen See erinnern soll, stand bis zum Herbstanfang. Bereits 2009 hatte der Künstler und Architekt Anne Holtrop (er ist wirklich männlich) in Almere ein ähnliches Projekt realisiert, das Trail House: Ebenfalls temporär, ebenfalls mitten in der Landschaft und ebenfalls der Versuch, eine amorphe Architekturstruktur mit der Landschaft und den sie durchquerenden Pfaden zu verbinden.

Zarte Zeichnungen waren der Beginn dieses Bauwerks. Der Niederländer hat sich hier vom französischen Dadaisten Jean Arp inspirieren lassen: „Er suchte mit seinen Zeichnungen nach einer universellen Sprache“, so Holtrop. „Das endete in Bildern, die nichts spezifisches oder konventionelles mehr zeigten, die keine direkte Bedeutung mehr hatten.“ Holtrop will das mit seinem Gebäude erreichen: Fließende, instinktiv gezeichnete Formen,  die einen Raum definieren, der nicht definiert ist. So ergeben sich scheinbar zufällig unbegehbare Engstellen oder bubbleartige Enden – der Pavillon wirkt wie ein verloren gegangenes Puzzlestück in der Landschaft.

Die Wände sind aus beschichtetem Pappelholz gebaut. Ein erheblicher Teil des Pavillons ist geschlossen, es gibt nur vier Fenster und einen schmalen Eingang in das Minimuseum. Denn der Pavillon wurde eigens für eine kleine Kunstausstellung mit Werken von Renie Spoerer, Eva-Fiore Kovacovsky, Driessens & Verstappen und Sjoerd Buisman errichtet. Jedem Künstler ist ein eigener Flügel des Gebäudes zugeteilt, jeder Flügel verfügt über genau ein Fenster, dessen Form sich wiederum auf die Arbeiten bezieht bzw. diesen eine Verbindung zur Landschaft brachte. „Die amorphe Landschaft draußen setzt sich innen fort. Es ist ein kleines Gebäude, aber ich habe die gekrümmten Innenräume so gebaut, dass man nie den gesamten Innenraum sieht.“

Die Kunstwerke im Inneren zeigten Interpretationen der Landschaft. Zeigten. Wie schon gesagt, dieser Pavillon steht leider nicht mehr. Man könnte sich auf die Suche machen, die Reste sammeln, und ihn eventuell wieder aufbauen. Wahrscheinlich zwecklos. Wir warten gespannt auf den nächsten Pavillon von Anne Holtrop, der bestimmt schon im nächsten Sommer auf einer weiteren holländischen Wiese stehen wird. (jk)

(erschienen in den BauNetz-Meldungen am 4. November 2010)