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Monat: November, 2010

Federvieh

„Federvieh” oder auch „Einen schrägen Vogel gibt es immer” ist eine Reihe gezeichneter Federkleider. (Schwarze Tinte auf weißem Büttenpapier/ Jeanette Colette/ November 2010)

www.flickr.com/photos/jeanette_k

Bewegte Fassaden – Kinetik trifft auf Poesie

Tatsächlich! Ob spektakulär oder zurückhaltend, starr oder dynamisch – abseits von Beton-, Glas- und Medienfassaden
gibt es noch viele andere Formen und Materialien der Gebäudehülle. Meist beginnen diese Fassadenkonzepte zunächst
als Experiment, ein gebauter Ausschnitt im Modell, ein computergenerierter Versuch. Sie sind konstruierte Reaktionen
physikalischer Vorgänge, kontern auf Diffusionsvorgänge, Wärme- oder Stofftransport. Hört sich trocken an, sieht
in der Praxis dagegen umso phantastischer aus. Wir haben die neuen Entwicklungen und Trends analoger Fassaden
genauer unter die Lupe genommen und zeigen u. a. Arbeiten von Jean Nouvel, Ned Kahn und Anna Kubelik.

(erschienen am 19. November 2010 auf www.baunetz.de)


www.baunetz.de/woche

Kreative Nervosität

(Zeichungen und Collage: Jeanette Colette, November 2010)

 

 

Kunst im Tunnel

Mal wieder Düsseldorf. Aber es ist Quadrinnale – die Stadt am Rhein ganz im Zeichen der Kunst. Neben den großen Sammlungen und Retrospektiven sind auch besondere kleine Kunstausstellungen zu finden. Tief unter der Erde hat sich die aktuelle Ausstellung von Björn Dahlem versteckt. In der Galerie Kunst im Tunnel zeigt der Berliner seine „Theorien des Himmels“.

(Fotos: Jeanette Kunsmann, November 2010)

Puzzle in der Landschaft

An temporären Werken wird immer besonders deutlich, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade standen sie noch, da sind schon abgebaut – als wäre nie etwas gewesen und zurück bleibt nichts als eine gähnende Leere. Auch das temporary museum (lake) von dem Amsterdamer Studio Anne Holtrop ist längst passé. Nur sechs Wochen stand dieses Kleinod mitten in einem Naturschutzgebiet in der Dünenlandschaft von Heemskerk bei Amsterdam.

Der Pavillon, dessen fließende Form im Grundriss an einen See erinnern soll, stand bis zum Herbstanfang. Bereits 2009 hatte der Künstler und Architekt Anne Holtrop (er ist wirklich männlich) in Almere ein ähnliches Projekt realisiert, das Trail House: Ebenfalls temporär, ebenfalls mitten in der Landschaft und ebenfalls der Versuch, eine amorphe Architekturstruktur mit der Landschaft und den sie durchquerenden Pfaden zu verbinden.

Zarte Zeichnungen waren der Beginn dieses Bauwerks. Der Niederländer hat sich hier vom französischen Dadaisten Jean Arp inspirieren lassen: „Er suchte mit seinen Zeichnungen nach einer universellen Sprache“, so Holtrop. „Das endete in Bildern, die nichts spezifisches oder konventionelles mehr zeigten, die keine direkte Bedeutung mehr hatten.“ Holtrop will das mit seinem Gebäude erreichen: Fließende, instinktiv gezeichnete Formen,  die einen Raum definieren, der nicht definiert ist. So ergeben sich scheinbar zufällig unbegehbare Engstellen oder bubbleartige Enden – der Pavillon wirkt wie ein verloren gegangenes Puzzlestück in der Landschaft.

Die Wände sind aus beschichtetem Pappelholz gebaut. Ein erheblicher Teil des Pavillons ist geschlossen, es gibt nur vier Fenster und einen schmalen Eingang in das Minimuseum. Denn der Pavillon wurde eigens für eine kleine Kunstausstellung mit Werken von Renie Spoerer, Eva-Fiore Kovacovsky, Driessens & Verstappen und Sjoerd Buisman errichtet. Jedem Künstler ist ein eigener Flügel des Gebäudes zugeteilt, jeder Flügel verfügt über genau ein Fenster, dessen Form sich wiederum auf die Arbeiten bezieht bzw. diesen eine Verbindung zur Landschaft brachte. „Die amorphe Landschaft draußen setzt sich innen fort. Es ist ein kleines Gebäude, aber ich habe die gekrümmten Innenräume so gebaut, dass man nie den gesamten Innenraum sieht.“

Die Kunstwerke im Inneren zeigten Interpretationen der Landschaft. Zeigten. Wie schon gesagt, dieser Pavillon steht leider nicht mehr. Man könnte sich auf die Suche machen, die Reste sammeln, und ihn eventuell wieder aufbauen. Wahrscheinlich zwecklos. Wir warten gespannt auf den nächsten Pavillon von Anne Holtrop, der bestimmt schon im nächsten Sommer auf einer weiteren holländischen Wiese stehen wird. (jk)

(erschienen in den BauNetz-Meldungen am 4. November 2010)

Plié! Tendue! Relevé!

Morgen wird in Berlin-Prenzlauer Berg der erste Bauabschnitt der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik an den Nutzer übergeben. Entworfen und realisiert wurde der Um- und Neubau von den Architekten von Gerkan, Marg und Partner (siehe BauNetz-Meldung zum Wettbewerbsentscheid vom 28. Februar 2006). Der über 8.800 Quadratmeter große Bauabschnitt (BGF) wurde nach zweieinhalb Jahren fertig gestellt und umfasst einen neuen Saalbau mit zehn Tanzsälen sowie die Sanierung des bestehenden Schulbaus aus den sechziger Jahren. Hinzu kommt bis Ende 2011 ein viergeschossiges Internat für 70 Schüler auf demselben Gelände. Die Freiraumplanung stammt von dem Berliner Büro Bernard und Sattler Landschaftsarchitekten.

Die architektonische Idee von gmp thematisiert die Besonderheit der Schule: den ständigen Wechsel der Schüler zwischen der kreativen Welt des Tanzes und dem klassischen Betrieb einer Ganztagsschule. Eine geschwungene mehrgeschossige Halle, an der sich die viergeschossige Schule und die Ballettsäle gegenüberliegen, durchzieht den Schulkomplex an der Erich-Weinert-Straße. Über diesen verknüpfenden Raum werden die unterschiedlichen Bereiche des Ensembles in Beziehung gesetzt und im zweiten Obergeschoss über eine Brücke erschlossen. Große kreisförmige Oberlichter sollen hier für natürliches und stimmungsvolles Licht sorgen.

Im Innenraum soll eine zurückhaltende Farbgestaltung in Schwarz und Weiß die charakteristische Form des Gebäudes betonen. Farbige Leibungen der Öffnungen zwischen öffentlichen Bereichen und Tanzsälen kontrastieren damit. Große schaufensterähnliche Öffnungen in der Fassade schaffen Transparenz und Außenraumbezug für die Tänzer und ermöglichen Passanten Einblicke in die Ballettsäle und die Tanzausbildung. Doch was von außen so schön und so leicht aussieht, ist harte Arbeit, die von kurzen, lauten Kommandos begleitet wird. „Plié! Tendue! Relevé!“ peitscht es ab jetzt durch die neuen Räume. (jk)

(erschienen in den BauNetz-Meldungen am 3. November 2010)