Wetterleuchten in Reykjavík

Abseits von Finanzkrisen und Vulkanausbrüchen gibt es noch weitaus Anderes aus Island zu berichten. Zum Beispiel über die hohe Kunst der Musik, die auf der Insel einen besonderen Stellenwert genießt. Nun will ich nicht ein neues Album von Björk, Sigur Rós oder Dicta ankündigen, sondern ein neues Gebäude in Reykjavík, das sowohl der aktuellen Musikszene Islands als auch der Isländischen Oper und dem Symphonieorchester gewidmet ist. Letzteres spielte Anfang Mai zur Einweihung der Hauptkonzerthalle des HARPA Reykjavik Concert Hall and Conference Center (The Harp). Die Eröffnung des gesamten Neubaus wurde noch einmal verschoben – erst am 20. August 2011 soll das HARPA offiziell eingeweiht und eröffnet werden. 2007 von einem privaten Investor begonnen, musste das Prestigeprojekt nach Ausbruch der Wirtschaftskrise vom Staat weitergeführt werden.

Den Wettbewerb für das Konzert- und Konferenzzentrum hat das dänische Büro Henning Larsen Architects HLA (Kopenhagen) zusammen mit dem isländischen Büro Batteríid Architects (Hafnarfjordur) schon 2005 gewonnen. Für die Akustik der Konzerthallen zeichnen die amerikanischen Ingenieure Artec Consultants Inc (New York) verantwortlich. Insgesamt vier Hallen für Konzerte und Konferenzen weist das 28.000 Quadratmeter große Wahrzeichen Islands auf, das nun den Hafen von Reykjavík ziert. Neben dem großen Konzertsaal, der in tiefrotem Samt ausgestattet wurde, beinhaltet der 43 Meter hohe Neubau zwei weitere Konferenzhallen und kleinere Veranstaltungsräume, aber auch ein Hotel, eine Bar und ein Restaurant auf dem Dach mit Blick über Reykjavík und den Tjörnin-See.

Bis zur Eröffnung im August sollte auch die schillernd glitzernde Doppelfassade vom dem Studio Olafur Eliasson (Berlin/Kopenhagen) fertiggestellt sein. Nicht nur die aufwändige Konstruktion der wabenförmigen Fassadenelemente, sondern auch Probleme mit Montage und Wetterbeständigkeit sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Verzögerungen auf der Baustelle. Stürme haben einige Elemente immer wieder aus der in allen Farben des Regenbogens schimmernden Außenhaut gelöst. Aus über 8.000 hexagonal geformten Glasbausteinen, die das Tageslicht brechen und in verschiedenen Farben und Pastelltönen reflektieren, setzt sich die dreidimensionale Fassade zusammen. Olafur Eliasson spielt hier wie so oft mit Wetterphänomenen, die nicht nur Kinder zum Staunen bringen. In einem Land, in dem Regenbogen, Nebelschaden und Wasserfälle zum Alltag gehören, könnte jedoch selbst eine Olafur-Eliasson-Fassade übersehen werden. (jk)

Fotos: Jeanette Kunsmann, August 2011