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Tag: Umbau

Spurensuche in Beton

Eingeschlagene Fenster, zugewachsene Fassaden, Wasserschäden, Graffiti und weitere Souvenirs des jahrelangen Leerstands begrüßten die Architekten und Bauherren bei ihrem ersten Besuch. Ein trügerisches Bild. „Die Substanz war in einem ein- wandfreien Zustand, wie ein Gutachter feststellen konnte“, erzählt Sandra Scheffl, die zusammen mit Xaver Egger für Entwurf und Planung verantwortlich zeichnet. Auch wenn die Bauherren kurz über einen Abriss nachdachten, entschieden sie sich für eine Sanierung mit Umbaumaßnahmen. Gebäude und Grundstück im Berliner Vorort Zehlendorf hatten sie im Internet entdeckt. Dass es zuvor zu keinem Verkauf kam, verdanken sie der unvorteilhaften Parzellengröße: Erst zwei sogenannte Stadtvillen hätten sich für Investoren gerechnet, aber nicht gepasst. Sonst hätte die ehemalige Druckerhalle aus den Siebzigerjahren wohl längst etwas Neuem weichen müssen. Für das Büro SEHW Architektur aber passte die Umwandlung des ehemaligen Gewerbebaus in ein familiengerechtes Wohnhaus ins Portfolio. „Es gibt kaum ein Gebäude, aus dem man nichts machen kann“, ist Egger überzeugt. Bauen im Bestand ist für ihn und sein Team eine Frage der Haltung. Seine Leidenschaft gilt „vermeintlichen hässlichen Entlein“ wie der Zehlendorfer Druckerei, aus denen er mit Verve herauskitzelt, was an Potenzial in ihnen steckt. „Häutung“ nennt Xaver Egger diesen Prozess. (…)

erschienen in HÄUSER Magazin Oktober/November 2019

REDUCE REUSE RECYCLE

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Reduce Reuse Recycle: Mit diesen drei Schlüsselbegriffen aus der Abfallwirtschaft hinterfragt der deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig den Umgang mit der vielschichtigen Ressource Architektur. Eine kluge und unverkrampfte Auseinandersetzung mit dem Baubestand fordert der Kurator Muck Petzet. „Der geringste Eingriff ist manchmal der beste“, so der Münchner Architekt. „Und gar keine Veränderung kann die allerbeste sein.“ Insgesamt 16 ausgewählte Projekte sollen diese provokative These belegen und mögliche Strategien, Wege und Positionen zeigen; fünf davon wurden nun auf der ersten Pressekonferenz vorgestellt. Ein Gespräch mit Muck Petzet über sein Konzept, die Wahrnehmung von Alltagsarchitektur und Missverständnisse der Denkmalpflege.

www.baunetz.de

Authentizität

Besonders aufregend klingt der Begriff Authentizität zunächst nicht. Doch denkt man an Debatten wie etwa um das Plagiat in der Literatur, um die Urheberschaft in der Kunst oder jene um die Rekonstruktion in der Architektur, so bekommt das Thema plötzlich Brisanz. Was ist heute noch authentisch? Wer entscheidet, was authentisch ist, sein darf und kann? Und wer fordert eigentlich diese absolute wahre Echtheit? Das Fachgebiet Architekturtheorie am Karlsruher Institut für Technologie KIT hat der Authentizität mit dem Untertitel „Sehnsucht nach der Wahrhaftigkeit in der Architektur“ ein ganztägiges Symposium gewidmet. Ein Tag, ein Wort? Das wiederum klang für uns so spannend, dass wir nicht lange zögerten und nach Karlsruhe fuhren – auf der Suche nach der wahren Architektur.

Wer schon einmal in Braunschweig an der Schlossfassade gekratzt hat, weiß, was mit großer Sicherheit nicht authentisch ist. Hinter dünnen Natursteinplatten, grauem Putz und Fassadendämmsystemen verbirgt sich alles andere als ein klassizistisches Schloss, sondern ein 30.000 Quadratmeter großes Einkaufsparadies. Im Sinne der Frage nach Echtheit und Wahrheit ist diese wie auch andere Rekonstruktionen, das heißt wiederhergestellte Bauwerke, nicht authentisch –  und vielleicht aus diesem Grund auch für viele nicht ästhetisch. Es ist ein Stück Kulissenarchitektur – kein Denkmal, sondern schlicht Attrappe.

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Ich werde zitiert:

„ (…) Auf diese Debatte geht die Baunetzwoche vom 18. Februar ein. Sie berichtet über ein Symposion in Karlsruhe zum Thema „Authentizität – Sehnsucht nach der Wahrhaftigkeit in der Architektur”: „Authentizität ist unter Denkmalpflegern nämlich längst eine Art Modewort, soviel muss man wissen. Architekten bringt der Begriff immer noch leicht ins Stottern”, resümiert die Baunetzwoche-Autorin Jeanette Kunsmann. Sie kommt zu dem Schluß: „Authentizität ist ein Prozess. Der Autor, in diesem Fall der Architekt, spielt dabei eine zentrale Rolle. Und es liegt nun mal in der Natur des Architekten, Neues zu schaffen – das ist authentisch.” Den Bericht ergänzen sehenswerte Projekte des Architekturbüros Hild und K.”

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