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Tag: Island

Viking Café Iceland

Mein Lieblingsprojekt steht in der Wildnis: Das Viking Café Iceland ist ein kleines Café am Fuße Litla Horn in Höfn. Seit 2011 betreiben Ómar Antonsson (ein direkter Nachfahre der Wikinger), der Schauspieler Florian Kleine und ich den Sommer über dieses kuschelige Café an der Ostküste Islands – Berlin goes Icelandic!

vikingcafe-iceland.com

Inspired by Iceland

Während des Presserundgangs zu seiner Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau schwärmte Olafur Eliasson in den höchsten Tönen von seiner Heimat Island, einer Insel im Nordatlantik, die zu diesem Zeitpunkt dem europäischen Festland näher rückte, als es vielen lieb war. Wochenlang legte die Vulkanasche des Eyjafjallajökull im April den Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa lahm – mehr als 100.000 Flüge wurden gestrichen. Chaos, Krise, Katastrophe? Nein. Man arrangierte sich, reiste mit Auto und Zug oder blieb einfach ein paar Tage länger dort, wo man gerade war. Sogar unsere Bundeskanzlerin reiste gemütlich über die Autobahnen quer durch Europa. Hat Island uns am Ende mit dem Ascheflug auch etwas mehr Gelassenheit in den Alltag gebracht? Sollten wir uns das (geologisch gesehen) jüngste Land in Europa zum Vorbild nehmen? Wir haben uns von dem Land, in dem es mehr Schafe als Menschen gibt, inspirieren lassen und sind hingeflogen. (…)

(erschienen im BauNetz am 24. September 2010)

Regentropfen

(Fotos: jtkn, Island, September 2010)

Island – sehen und sterben

Wer will jetzt schon nach Island? Der Sommer in Deutschland schenkt uns nur noch ein müdes Lächeln und es wäre eigentlich die perfekte Zeit, um nach Spanien, Portugal oder Süditalien zu reisen… Aber wer will schon nach Spanien?

In Island gibt es zwar aktuell nur noch vier Stunden Sonne am Tag, dafür kann man die Nordlichter am Himmel beobachten. Und schließlich hat die Vulkaninsel neben Reykjavík, Eyjafjallajökul, gutem Wodka und Lakritz mit Schokolade noch viel mehr zu bieten: flüsternde Gletscherzungen, Wasser spuckende Erdlöcher, Polarfüchse, Papageientaucher und Wale, etwa 30 weitere aktive Vulkane (deren Namen wir nicht kennen) und fast 318.000 Isländer.

In der isländischen Hauptstadt ist übrigens das neue Konzert- und Konferenzzentrum fast fertig. Die Isländer haben sich für den Neubau eine geballte Mischung internationaler Architekten und Designer auf ihre zauberhafte Insel geholt. Der Entwurf für das Harpa Reykjavik Concert Hall and Conference Center stammt von dem dänischen Büro Henning Larsen Architects (Kopenhagen), die Fassade wurde von dem Studio Olafur Eliasson (Berlin/Kopenhagen) konzipiert und die Akustik von den amerikanischen Ingenieuren Artec Consultants Inc (New York).

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Innen Stadt Außen

Andere kochen ja auch nur mit Wasser. Olafur Eliasson nebelt den Berliner Martin-Gropius-Bau bunt ein – sogar auf der Straße entflieht eine Nebelwolke aus dem ersten Stock. Daneben steht ein Einsatzwagen der Feuerwehr, „weil der Veranstalter es so wünscht“.

„Innen Stadt Außen” oder vielleicht auch „Außen Stadt Innen”? Eliasson will die räumlichen Grenzen des Museums auflösen. Zweckfrei sollen seine Kunstwerke sein, Begegnung, Verhandlung und Erlebnis sein. Die erste große Ausstellung in Berlin, eine Art lang erwartetes Heimspiel, zeigt keine Objekte, sondern Installationen „für Berlin in Berlin“. Einige der artifiziellen Eingriffe sind schon seit dem Winter im Berliner Stadtraum verteilt. Man konnte über Markierungen, Spiegel oder isländisches Treibholz stolpern.

Island, das Land spannender Naturprozesse, ist für Olafur Eliasson ein gutes Stichwort. Der Vulkan als Kunstwerk sei „sehr, sehr schön“, er sei schon gefragt worden, ob er sich ein Zertifikat habe ausstellen lassen. Mit seiner großen Brille und dem gelben Hemd lächelt er freundlich in die Runde. Der dänisch-isländische Künstler wirbt weiter für seine Heimat: „Island braucht auch Touristen. Es ist ein unglaubliches Ereignis, wenn man 30 Kilometer vom Vulkan entfernt steht, und spürt, wie die Erdkruste wie eine Membran vibriert.“ Naturereignisse und -gewalten spielen in vielen Arbeiten von Eliasson eine wichtige Rolle – erinnern wir uns an seinen Durchbruch mit der Installation in der Turbinenhalle der Londoner Modern „The Weather Project“.

In Berlin erwarten uns nun eine Reihe verschiedenster Arbeiten. Flaniert man durch die Ausstellung, trifft man auf Licht- und Schattenspiele (Your uncertain shadow), ein Wasserstrahlballett (Water pendulum), ein gigantisches Spiegelkabinett (Mikroskop) und farbigen Nebel (Your blind movement). Man wird überrascht, irritiert, verschluckt, verliert Orientierung und Wahrnehmung – Reflexionen, Nachtbilder, Farbe, Nebel, Licht, Regen. Der Nebel in den drei Museumsräumen stinkt übrigens nicht nach Großraumdisko stinkt und auch die Feuerwehr wirkt eher deplaziert. Eliasson spielt ja nicht mit dem Feuer.

Während also in Berlin Treibholz und verspiegelte Fahrräder nachgelegt werden (schon einige der „Kunstwerke“ sind verschwunden), wird am Mittwoch die eigentlich Ausstellung im Martin-Gropius-Bau eröffnet – und zwar am ersten Tag umsonst, denn eine große Grenze des Museums ist ja bekanntlich das Kassenhäuschen. (jtkn)

Innen Stadt Außen
29. April bis 9. August 2010
www.gropiusbau.de

erschienen auf jetzt.sueddeutsche.de