Horizon Field Hamburg

von jtkn

Nur acht Stahlseile halten die 1.250 Quadratmeter große Plattform – gerade mal acht dünne Stahlseile! Nackte oder bunt besockte Füße steigen die Treppen hinauf und laufen vorsichtig über den schwebenden, dunkel glänzenden Boden, der bei jeder Bewegung ein bisschen mitschwingt. Manch Einer schaut etwas unsicher, Andere huüpfen, springen und tanzen, obwohl das ja eigentlich verboten ist. Aber was ist hier los? Ein fliegender Teppich, eine schwebende Bühne, ein Trampolin in luftiger Höhe? Ist das Kunst oder hat es nicht eher den Charakter einer Hüpfburg? Andererseits wird die Plattform erst durch die vielen Menschen belebt und dadurch überhaupt interessant. Die spiegelnde Oberfläche ist wie ein klarer See und es scheint, als würde man selbst über das Wasser schweben…

Hinter dem Spektakel in der Nordhalle der Deichtorhallen steckt der britische Künstler Antony Gormley. Er hat hier Ende April sein Horizon Field Hamburg installieren lassen und sorgt damit in der Hansestadt für große Begeisterung. Siebeneinhalb Meter über dem Boden pendelt die 25 x 50 Meter große und 70 Tonnen schwere Plattform von der Dachkonstruktion und schwebt in der Deichtorhalle. Die Kunstinstallation will die Wahrnehmung des Gehens, Fühlens, Hörens und Sehens umorientieren und neu verbinden, heißt es in der Ankündigung. Tut sie auch. Der Künstler sieht sein Horizon Field als ein „waagerecht im Raum aufgespanntes Gemälde“, auf dem „die Besucher zu Figuren auf einem freischwebenden und nicht definierten Grund werden“. Gormley beschäftigt sich schon lange mit dem Verhältnis des menschlichen Körpers zum Raum, seit 40 Jahren arbeitet er in seiner Kunst an diesem Thema.

Die Planung des fliegenden Kunstwerks in Hamburg hat fast zwei Jahre gedauert, Gormley hat es gemeinsam mit den Stuttgarter Ingenieuren Schlaich Bergermann und Partner entwickelt und realisiert. Das Haupttragwerk besteht aus Stahlträgern, gestützt durch Seilunterspannungen, den Fußbodenaufbau bildet die mit Polyurethan-Gießharz beschichtete Holzkonstruktion. Und: Ja, es sind wirklich nur acht Stahlseile – aber es hält! (jtkn)

Erschienen  in der Baunetzwoche#272

Das „Horizon Field Hamburg“ schwebt noch bis zum 9. September 2012 in den Deichtorhallen Hamburg. Am 2. Juni 2012 ist die Installation bis 2 Uhr nachts geöffnet. Der Eintritt ist frei, Kinder sind erwünscht.

www.deichtorhallen.de
www.horizonfieldhamburg.com