Istanbul

von jtkn

Istanbul, diese Stadt könnte eine tanzende schöne  Frau sein – oder auch ein bärtiger, alter Mann. Sie kann faszinieren, erschrecken, umarmen und verschlucken. Weiße Tauben fliegen durch den Dreck, während Frauen mit bunt gemusterten Kopftüchern aus Seide und hohen Pumps über die Straße eilen. Dahinter der Bosporus. Es riecht nach Freiheit – und nach Fisch.

Melancholie und Lebensfreude gehen hier Hand in Hand. Ebenso Armut und Reichtum, Tradition und Moderne. Eine Metropole voller Widersprüche und Kontraste. Ost und West. Ein Bild, das man kaum beschreiben kann, sondern erleben muss.

Der Hamburger Fotograf Andreas Herzau zeigt nun – pünktlich zum Kulturhauptstadtjahr 2010 – eine Sammlung von Momentaufnahmen. Der Titel bleibt sachlich und nennt die Stadt beim Namen, die Bilder sprechen für sich. Die Diskussion über einen möglichen EU-Beitritt der Türkei war für Herzau ein Grund, sich näher mit dem Land auseinander zu setzen. In Istanbul – auf der Grenze zwischen Europa und Asien – zeigen sich viele der Herausforderungen konzentriert. Kopftuchdebatte, Kebab und Gebetsstunden, Sonnenbrillen und Schaufenster im Pariser Chick, Marmor und Beton – und über Allem: die strahlende Mondsichel zusammen mit dem Stern des Islams.

Das Buch zeigt eine Bandbreite aller Genres; eine gelungene Mischung aus Reportage-, Architektur-, Landschafts-, Mode- und Portraitfotografie. „Istanbul besteht aus vielen Städten, in der sich alle verbergen“, schreibt die türkische Schriftstellerin Elif Shafak in ihrem Essay. Besser kann man die Stadt kaum in Worte fassen, die Bilder dazu zeigt Andres Herzau. (Jeanette Kunsmann)

Übrigens: Andreas Herzau präsentiert seinen Bildband „Istanbul“ am 29. April 2010, 19.30 Uhr, in der Hamburger Buchhandlung stories!. Um Voranmeldung wird gebeten: info@stories-hamburg.de

Istanbul
Andreas Herzau
Hatje Cantz, April 2010
Vorwort von Andreas Herzau, Text von Elif Shafak
Deutsch, Englisch
144 Seiten, 90 farbige Abb.
Hardcover, 29 x 27 cm
29,80 Euro


(erschienen in der Baunetzwoche#170)