Die Kameliendame

von jtkn

„Ich habe genügend Leute amüsiert – jetzt will ich auch einmal meinen Spaß haben“, seufzt eine indisponierte Sophie Rois laut in ihr Fußbad. Rosenwasser anstatt Highheels. Kaum eine Schauspielerin wäre für die Rolle der Marguerite Gauthier wohl passender, als der österreichische Wirbelsturm. Überraschend hingegegen ist die Besetzung des Armand Duval – hier hat Clemens Schönborn mit Kai-Ingo Rudolph eine ebenfalls  wunderbare Wahl getroffen. Diese Augen! Diese Locken! Diese STIMME!

Mit der Dumas-Inszenierung „Die Kameliendame” zeigt die Volksbühne zurzeit ein wahres Glanzstück. Die beiden Hauptdarsteller sind umwerfend, Operngesang und Orchester brillant, der Chor dagegen etwas träge und zu bauchig. Thematisiert werden Geldgier in Hochzeiten des Kapitalismus, uneingeschänkte Geilheit und der Drang nach Ruhm und Macht, während am Rande die Liebe ihr zartes Liedchen singt. Der Stoff ist heute aktueller und brisanter, als wir glauben – im Grunde hat sich seit 1852  kaum verändert. Das Kapital regiert die Welt, doch lassen Glück und Liebe sich nicht kaufen.  „Mein Gott, ich würde so gern meine Ideale verraten und mich verkaufen, es hat mir nur noch nie einer ein Angebot gemacht.“ Edel sei der Mensch, gütig und treu!

Die Kameliendame
Mit Musik aus Giuseppe Verdis „La Traviata“ nach Alexandre Dumas
Stückfassung: Clemens Schönborn
Regie: Clemens Schönborn, Kostüme: Nina Kroschinske, Musikalische Leitung: Michael Wilhelmi, Licht: Torsten König, Dramaturgie: Ralf Fiedler
Mit: Hendrik Arnst, Jean Chaize, Zazie de Paris, Sophie Rois, Kai-Ingo Rudolph und Hans Schenker und dem Chor

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