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Tag: Iwan Baan

Learning from Tokyo

Was für ein Event! Riken Yamamoto und Sou Fujimoto, aber auch jüngere, hierzulande noch weniger bekannte Architekten wie Go Hasegawa und Ryuji Fujimura aus Tokio sind zu Besuch in Zürich, weil die Schweizer Stadt von der japanischen Metropole lernen will. „Learning from Tokyo“ lautet der Titel des zweitägigen Symposiums, zu dem das Architekturforum Zürich Anfang März eingeladen hatte. Dahinter versteckt sich die Frage nach neuen innerstädtischen Wohnbauten, Verdichtung des urbanen Wohnens und der Stadtentwicklung in den kommenden Jahrzehnten – ein Dialog zwischen japanischen Architekten und Schweizer Baumeistern auf der Suche nach klugen Wohnformen für heute und morgen. (jk)

www.baunetz.de

Learning from Tokyo: Sou Fujimoto, Mathias Heinz, Ryoko Ikeda, Go Hasegawa, Riken Yamamoto, Akihisa Hirata, Ryuji Fujimura, Sasha Cisar, Hiromi Hosoya und Markus Schaefer (Foto: Axel Vansteenkiste)

Poesie im Nirgendwo

Das Inujima Art House Project von Sejima

Ein Spiegelkabinett, ein Laufsteg, ein Holzrahmen so groß wie ein Familienhaus und ein silberner Hut – wäre man bösartig, könnte man die vier neuen Gebäude der japanischen Architektin Kazuyo Sejima (zweiter Kopf von SANAA: Sejima And Nishizawa and Associates) auf eben diese vier auf die Schönheit ausgelegten Attribute der Weiblichkeit reduzieren. Dabei spielt Sejima in ihren Minigebäuden des Inujima Art House Projects auf eine so einfache Art mit Raum, Oberflächen und Sichtbezügen, dass man die zweite Ebene in diesen eben „Ach-so-schönen-Bauwerken“ etwas suchen muss.

Das Ensemble wurde mitten in die Landschaft der japanischen Insel Inujima implantiert und setzt sich aus vier sehr unterschiedlichen Architekturen zusammen: F Art House, I Art House, S Art House und Nakanotani Gazebo. Während sich das eine durch seine verspiegelten, gewellten Wände ohne Dach auszeichnet, formt sich das andere als ein langer, schmaler S-förmiger Gang, der nur durch dünne transparente Acrylwände von seiner Umgebung getrennt ist. Decke und Boden sind geschlossen und bilden eine Art Schlauch. Das I Art House erscheint wie ein traditionelles japanisches Haus, bietet jedoch durch seine großflächigen Fenster einen freien Ausblick. Und hinter dem Nakanotani Gazebo verbirgt sich ein schalenartiges Aluminiumdach, das ähnlich wie ein Sommerhut auf Grund seiner perforierten Oberfläche vor Sonne, jedoch nicht vor Regen schützt. Dünne Stützen halten das Dach und erinnern durch ihre Leichtigkeit an den Serpentine Pavillon von SANAA in London.

In dem Inujima Art House Project mischen sich auch noch weitere Motive von Sejimas und Nishizawas einzelnen wie gemeinsamen Projekten. Die Spieglung der Besuchersilhouette in der Architektur zum Beispiel. Oder die unsichtbare Trennung von Innen- und Außenraum. Menschen treffen sich in Architektur – die japanische Leichtigkeit des Seins schreibt eine Poesie im Nirgendwo.

Hintergrund der Arbeit von Sejima ist die aktuelle Situation auf der verträumten Insel. Verlassene Wohnhäuser erzählen leise die Geschichten ihrer Bewohner, ansonsten ist die Insel überschaubar: ein Friedhof, Industriebrachen und Felder – Etwa 50 Familien wohnen noch auf Inujima; die Jüngeren ziehen meist sobald wie möglich weg. So gesehen hat Sejima eine Gruppe begehbarer Denkmäler geschaffen – Interventionen im verlassenen Paradies. Dem Betrachter wird ein persönlicher Bezug zu den Miniarchitekturen abverlangt, er muss sich selbst mit der Gesamtsituation auseinandersetzen – Menschen in Architektur. (jk)

(erschienen am 13. Januar 2011 in den BauNetz-Meldungen)

Fotos: Iwan Baan

Der Bücherherbst 2010

Es ist Buchmesse in Frankfurt – eine gute Gelegenheit für uns, wärmste Empfehlungen für den Bücherherbst zu geben. Es geht um Rasterbilder, die Kunstinsel Naoshima und die spanische Museumslandschaft, außerdem die facettenreiche Geschichte der Fertighäuser, neue Bildbände von Iwan Baan und Walter Niedermayr, aber auch einen Film über die unerträgliche Leichtigkeit des Architektendaseins.

Download der Baunetzwoche#194 „Der Bücherherbst 2010”

(erschienen im BauNetz am 8. Oktober 2010)