Rocco und seine Brüder

von jtkn

Allein der Anfang ist grandios! Überraschend beginnt die Geschichte „Rocco und seine Brüder“ mit einem Stummfilmtheater, das die Zuschauer mit genialen Details und Witz verzaubert. Da werden Grimassen gezogen, Mäntelröcke fliegen im Wind,  Untertitel herbei geschnippt und Konfettischnee wirbelt über die Bühne. Weniger ist mehr. Man wünscht sich, es würde so weitergehen. Doch dann der gezielt inszenierte Bruch: Der Auftritt des Mädchens Nadja bringt Farbe und Ton auf die Bühne und einen Bruch in die aus dem Süden nach Mailand immigrierte Familie. Stehen zu Beginn Armut und Not im Vordergrund, folgen die großen Themen Macht, Liebe, Eifersucht und Tod. Die Brüder bleiben Brüder, doch ist das Blut, das sie verbindet, nicht immer dick genug. Aus Brüdern werden Feinde. Eine dramatische Migrationsgeschichte voller Höhen und Tiefen, die Antú Romero Nunes frei nach dem gleichnamigen Film von Luchino Visconti am Maxim Gorki Theater inszeniert hat. Das Stück ist aktueller, als wir denken. (jk)

Rocco und seine Brüder
nach dem Film von Luchino Visconti
Regie: Antú Romero Nunes, Bühne: Florian Lösche, Kostüme: Judith Hepting, Musik: Johannes Hofmann,
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Mit: Anne Müller, Michael Klammer, Matti Krause, Robert Kuchenbuch, Andreas Leupold, Albrecht Abraham Schuch

Fotos: Bettina Stöß