von jtkn

Schicke Wohnungen mitten in der Natur und die schnelle Anbindung an das Stadtzentrum locken immer mehr Kopenhagener hinaus an den östlichen Stadtrand. Gestern wurde auf einem Presserundgang vor Ort der schon teilweise vermietete Wohnungsbau 8 Tallet genauer vorgestellt (siehe BauNetz-Meldung zur Fertigstellung vom 22. Juli 2010). Das Apartmenthaus von den dänischen Architekten der Bjarke Ingels Group markiert mit seiner beeindruckenden Größe und der eigenwilligen Form das gebaute Ende des Neubauviertels Ørestad (und somit wohl auch das gefühlte Ende der dänischen Hauptstadt). In Form einer abstrakten Acht wurde die rund 60.000 Quadratmeter große Wohnanlage mitten auf der grünen Wiese eines der riesigen Baufelder des neuen Viertels gebaut.

Neben den 500 neuen Apartments beinhaltet der terrassenförmige Neubaukomplex auch Flächen für Geschäfte und Büros sowie ein Restaurant und einen Kindergarten – Mischnutzung ist wie überall das neue Zauberwort. Und Kopenhagen boomt: Bjarke Ingels hat das 8 House – übrigens wie auch schon seine anderen Wohnanlagen dieser Größenordnung – für denselben Bauherrn geplant, umgerechnet 92 Millionen Euro hat der Neubau gekostet.

Wichtig war den Architekten neben der Vielfalt der Wohnungsgrundrisse vor allem die Inszenierung der Freiflächen, denn diese sind sowohl für Bewohner als auch für Besucher zugänglich. Ein breiter Weg führt parallel zu den Wohnungen in Form einer Acht an den Vorgärten vorbei. Die beiden Innenhöfe wurden eher formal als funktional gestaltet – sehen dafür in der Aufsicht aber auch sehr schön aus.

Auffallend ist jedoch vor allem die Aluminiumfassade, in der sich die Wolken so himmlisch spiegeln können. Die Materialwahl ist mit Sicherheit gut getroffen und ein gelungener Kontrast zu den typisch skandinavischen Holzverkleidungen. Doch wenn in einer Stadt wie Kopenhagen ein Wohnungsblock der Superlative eröffnet wird, sollten wenigstens die Details stimmen. Im Vergleich zu den liebevoll gestalteten Oberflächen der bekannten dänischen Designer-Riege sieht das 8 Tallet von Bjarke Ingels ganz schön vernachlässigt aus. „Hätte man der Kante denn nicht einen vernünftigen Abschluss geben können“, fragt der bayrische Kollege entsetzt und donnert hinterher, „dass sie so was in Deutschland nie genehmigen würden!“

Die ungeschliffenen Aluminiumprofile sollen doch noch bearbeitet werden, beruhigen die Architekten und wechseln schnell das Thema. „Nachhaltigkeit kann übrigens auch cool sein, wie man hier sieht“, erklären sie und lächeln. Kann. Qualität aber auch – doch die kostet eben ihren stolzen Preis – vor allem in Dänemark.

(erschienen in den BauNetz-Meldungen am 30. September 2010)


(Fotos: Jeanette Kunsmann, September 2010)